Regionalportal

Baldriananbau in Pansfelde

Das Dorf Pansfelde im Harz ist auf eine ganz besondere Art berühmt. Es ist der einzige Ort in Deutschland, wo die bekannte Arzneipflanze Baldrian angepflanzt, geerntet und verkauft wurde. Erstmals wurde der Baldrian 1892 angebaut, der feldmäßige Anbau erfolgte bis 1940. Er bildete die Existenzgrundlage für die armen Bauern im Dorf. Es war keine Seltenheit, das Bauern eines bestimmten Gebietes irgendeiner Arzneipflanze ihre besondere Aufmerksamkeit schenkten. Normalerweise genügte es, wenn diese Pflanze etwas häufiger als sonst vorkam. Auch der Baldrian gehörte zu den Kräutern, die jeder Bauer kannte und die er gelegentlich mit nach Hause nahm. Die Leute von Pansfelde konzentrierten sich ganz auf den Baldriananbau. Sie gruben ihn nicht dort aus, wo er wild wuchs, sondern bauten ihn auf Äckern an und züchteten ihn extra. Die Aufzucht aus Samen erwies sich als zu umständlich und riskant. Also holten die Bauern die Baldrianstecklinge dort wo er wild wuchs. Der Baldriananbau erwies sich als mühselig. Auf eine Fläche von 650 m² kamen etwa 6000 Stecklinge. Wenn das Jahr ein Gutes war und der Bauer Glück hatte, erntete er 5-10 Zentner Baldrianwurzeln. Die Ernte war zwar nicht kompliziert, aber sie kostete viel Zeit. Die ausgereiften Wurzeln wurden nacheinander ausgegraben und mit der Gabel kräftig geschüttelt und ausgeklopft damit Erdreste abfielen. Hinterher mussten die Wurzeln gewaschen werden. Eine Art Vorwäsche erfolgte im Dorfteich, gründlicher wurde dann zu Hause gewaschen. Die sauberen Wurzeln wurden dann zu eigenartigen Zöpfen gebunden. Man fädelte sie reihenweise auf und hängte sie dann zum trocknen meistens in der Scheune auf. Erst nach dieser Prozedur ist der Baldrian handelsreif. Er kommt in die Apotheke und dort bekommt das beruhigende Arzneimittel seine Vollendung. In Pansfelde roch es streng nach Baldrian. Das ergab jahrzehntelang eine merkwürdige Nebenwirkung. Die Wildkatzen schienen den Duft zu lieben. Die Harzdörfer in der Umgebung von Pansfelde waren Tummelplätze der echten Wildkatze, die man sonst nur noch selten in den deutschen Wäldern antraf. Das schöne Raubtier verzog sich aber dann aus den Dörfern, möglicherweise ist ihm der Mensch zu nah auf den Leib gerückt. Wildkatzen lieben das nicht, selbst wenn sie den Baldrianduft noch so gerne haben.