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Das Feuerlöschwesen von Neundorf

Das Feuerlöschwesen in Neundorf hat eine alte Tradition. In der Dorfchronik gibt es Notizen, dass bereits 1700 eine Feuerspritze vorhanden war. Brannte es im Dorf, so eilten alle Bewohner hinzu, brachten Eimer heran, bildeten eine Kette bis zum Dorfteich oder einem Brunnen und gossen das Wasser mühsam Eimer für Eimer auf das Feuer. Meist war so das Haus oder der brennende Stall nicht zu retten, man konnte höchstens ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gehöfte verhindern. Die Feuerspritze, die in der Chronik um das Jahr 1700 beschrieben war, ist auch nicht so konstruiert, wie man es sich vielleicht heute vorstellt. Sie war noch nicht mit einer Ansaugvorrichtung ausgestattet, sondern das Wasser musste in die Wasserkästen der Spritze gegossen werden. Herangeschafft wurde das Löschwasser in auf Kufen stehenden Wasserfässern, welche ständig gefüllt an verschiedenen Stellen des Dorfes aufgestellt waren. Im Jahre 1783 wurde eine neue Spritze von dem Glockengießer August Becker aus Halle geliefert. Sie wurde am 22.11.1834 durch eine neue Spritze für 360 Taler vom Glockengießer und Spritzenmacher Heinrich Bartholy aus Halberstadt ersetzt. Abermals 50 Jahre später lieferte der Spritzenfabrikant Witschke ein neues Gerät. Es wird also deutlich, dass seit 1700 die Gemeinde Neundorf große Anstrengungen unternommen hatte, durch Bereitstellung gut gebauter Spritzen und Schaffung von Einrichtungen eine gewisse Organisation des Feuerlöschwesens zu erzielen. Die guten Geräte und der im Ort gepflegte Geist der Hilfsbereitschaft waren auch Gründe dafür, dass bei auswärts vorkommenden Feuern die Neundorfer Einrichtungen herangezogen wurden und häufig als "erste wassergebende Spritze" eine Belobigung oder eine Geldprämie erhielten. Die Aufsicht über die Spritze hatte der Spritzenmeister, gewöhnlich der Schmied oder Sattler. Zur Bedienung war jeder Einwohner verpflichtet, wie auch jeder Pferdehalter im Bedarfsfall die Wasserfässer heranschaffen musste. Jährlich am 3. Pfingsttag wurde zur Überprüfung die Spritzenprobe abgehalten. Zur Löschung des Durstes mussten die beiden Gemeindebäckereien je 2/4 Bräuhan (mit Wasser verdünntes Weißbier) liefern. Durch die Anschaffung einer zweiten Spritze, eines Rettungswagens, einer ausziehbaren Leiter, eines Wasserwagens und so mancher Feuerlösch- und Rettungsgeräte wurde das alte Spritzenhaus zu klein und 1906 ein neues Depot errichtet. Der Bau der neuen Unterkunft kostete 5049,60 Mark. Die ausziehbare Leiter sowie eine Schlauchhaspel sind uns noch heute erhaltene Zeitzeugen dieser historischen Technik.